... und in Italien: Danilo Montaldi

Der aus dem pci ausgeschlossene Kommunist Danilo Montaldi, der eine kleine Gruppe in Cremona um sich organisiert hatte und für verschiedene linkskommunistische Zeitschriften schrieb, lernte über den Kontakt zu Socialisme ou Barbarie die Theorie und Praxis der Arbeiteruntersuchung kennen. Er übersetzte mehrere Arbeiterbiographien auf italienisch und beteiligte sich selbst an ähnlichen Projekten. 1960 veröffentlichte er eine Untersuchung über das Leben der Immigranten aus dem Süden in Mailand mit dem Titel "Mailand, Korea".

Es ist keine konsistente "Methode" bei Montaldi zu erkennen: er arbeitete "interdisziplinär", benutzte literarische Elemente, etwa wenn er Leute ihre Geschichte in ihrer eigenen Ausdrucksweise aufschreiben ließ. Und er bediente sich Methoden der Soziologie, mit der er sich ausführlich auseinandersetzte. Montaldis Werk ist eine ständige Suche nach der Subjektivität als Erkenntnisinstrument über die Geschichte und das Leben der Klasse. In der Untersuchung über die Immigranten aus dem Süden, über das Leben der Subproletarier während des Faschismus, die politischen Basismilitanten - immer suchte er nach dem Kommunismus als "strukturellem Bedfürfnis", nach der Subjektivität der Klasse, der Klasse für sich. All dies war sein Versuch der Rekonstruktion der Klassenpartei, die sich zusammensetzt aus "Genossen, die unterschiedliche Parteibücher haben können".

Montaldi untersuchte die Wirklichkeit um sich herum. Seine Arbeit war ausdrücklich gegen die Mysterien vom "guten Wilden" gerichtet, die Ende der 50er Jahre die Gedanken an die Gegenwart verdrängen sollten. Seine Kritik an dieser Art Beschäftigung erinnert in verblüffender Weise an die zusammenhanglose Art und Weise, in der in den letzten 20 Jahren hier oral history praktiziert wurde, nachdem die Perspektive Klassenkampf aufgegeben worden war. "Während sich in Italien die Industrie immer mehr konzentriert, während die bäuerliche Welt von einer Krise in die andere geht [...] nimmt dieses große Wehklagen für die Lebensformen der Vergangenheit oder für die verbliebenen zurückgebliebenen Lebensformen zu. Die Begeisterung, Untersuchung und Analyse des Nicht-Aktuellen, des Marginalen. In dieser beharrlichen Jagd liegt etwas Rückschrittliches, ein falsches Bewußtsein von der Gesellschaft, in der wir leben, ein Zurückweichen. Während in Italien die Diktatur der Monopole in den letzten Jahren immer offener wird, stürzt sich das kulturelle Interesse auf die im Niedergang begriffenen Momente des sozialen Lebens. Nicht schlecht, wenn es darum geht, die Gesamtheit der Alltagsbedingungen vom Süden bis in den Norden ans Licht zu bringen. Aber fast immer wird in der Analyse, in der Interpretation der zurückgebliebenen Lebensweisen versucht, die Fäden abzuschneiden, die diese Erscheinungen mit dem gegenwärtigen System verbinden, das sie doch bestimmt. Diese Haltung leistet einem gewissen kulturellen Reformismus Vorschub, der selbst Ausdruck der Krise ist, der den Wunsch ausdrückt, selbst Teil davon zu werden. [...] Aber sehen wir, welche Auswirkungen das auf kultureller Ebene hat. [...] die Chronik der heutigen Sitten und Gebräuche der Abkömmlinge der Ligurier, die sich vor 400 Jahren in Sardinien ansiedelten, ist interessanter als die Situation in der Produktionsanlage bei Fiat; der Dialekt der Gevatterinnen ist sicherlich schöner als das nicht zufällige Schweigen der Arbeiter in den Basisorganismen. Uns interessiert nicht die folkloristische Seite, in die diese Formen oft verfallen, sondern wir wollen beobachten, wie sich zwischen uns eine Figur des ahistorischen Menschen herausgebildet hat, dessen Feinde sich Schicksal und Natur nennen."


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