Untersuchung ist etwas Konkretes, das alle Revolutionäre machen sollten und meist auch gemacht haben. Gegen die bürgerlichen Ideologien und das Korsett des orthodoxen Marxismus die wirklichen Verhältnisse untersuchen - so wie es auch Marx gemacht hat. Wobei wir mit der marxistischen Ideologie genauso umgehen müssen, wie Marx mit der bürgerlichen Wissenschaft.
Untersuchung machen heißt, die offiziellen Mythen knacken, sich mit realen Menschen auseinanderzusetzen, ihnen Fragen stellen, ohne vorher zu wissen, was dabei rauskommen soll. Andererseits bedeutet sie auch politisch-theoretische Arbeit. Denn um zu wissen, welche Fragen gestellt werden müssen, sind Hypothesen notwendig. Hypothesen darüber, wie sich Klasse als politisches Subjekt in den Umbruchprozessen neu herstellt.
Als Ansatz für solch eine Untersuchung heute schlagen wir den Text von Karl Heinz Roth vor, in dem er die Hypothese aufstellt, daß sich ein neues Proletariat entwickelt und zwar auf einer weltweiten Ebene. Der Text wurde in den sechs Monaten seit seinem Erscheinen in vielen Diskussionszirkeln zurecht auf seine theoretischen und analytischen Schwächen hin abgeklopft. Damit dies aber kein akademisches Hobby bleibt, muß jetzt eine kollektive Untersuchungsarbeit einsetzen, die herauszufinden versucht, wie dieses weltweite Re-making des Proletariats konkret aussieht. Dazu gehört erstens die Überprüfung der Hypothesen durch massenhafte Diskussionen mit ArbeiterInnen in der modernen Fabrik, prekär Beschäftigten, ImmigrantInnen, sogenannten selbständigen ArbeiterInnen usw. Zweitens die Entwicklung einer genaueren Begrifflichkeit. Und drittens hieße es, selbst aktiv einzugreifen mit Kampfinitiativen und Organisierungsversuchen, um den kollektiven Erkenntnisprozeß zu beschleunigen und die untergründige Tendenz zum Kommunismus, die in den Klassenbewegungen mitschwingt, freizulegen. Mit den ArbeiterInnen Kampfformen finden, die keine Wiederholung der alten sind.