Die Einführung der Gruppenarbeit in Zaragoza ist zugleich ein Lehrstück für das Verhalten von Betriebsrat und Gewerkschaften. Das Unternehmen hatte die neue Arbeitsorganisation erstmals während der sehr konfliktreichen Tarifrunde 1992 ins Spiel gebracht, nach Protesten von Arbeitern aber schnell zurückgezogen, um wenigstens die anderen umstrittenen Punkte (neue Schichtpläne) durchzubringen. Danach begannen Verhandlungen im Geheimen, die angeblich keine waren - denn, so der Betriebsrat, da es sich um eine Änderung handele, die für beide Seiten Vorteile bringe, gäbe es nichts zu verhandeln. Nur einige 'Zweifel' sollten in Gesprächen ausgeräumt werden!
Im November '93 wird die Vereinbarung vom Betriebsrat unterschrieben, ohne daß es zuvor eine Abstimmung unter den ArbeiterInnen gegeben hat. 'Was die Arbeiter dem Betriebsrat bis heute am meisten vorwerfen, ist das völlige Fehlen einer Abstimmung, in der die Belegschaft selber hätte entscheiden können. In diesem Betrieb war es bisher immer üblich gewesen, über solche und weit weniger bedeutende Fragen abstimmen zu lassen. Für viele Arbeiter sind es daher der Betriebsrat und die Firma, die ihnen das jetzt aufgezwungen hab en. Dies ist eine wichtige Veränderung, die sich in der Einstellung der Mehrheit der Mitglieder der Pilotgruppen bei Diskussionen mit den Betriebsratsmitgliedern ausdrückt.' (S. 6 der Broschüre)
Das vereinbarte Pilotprojekt lief zum 15. Dezember aus. Eigentlich war anzunehmen, daß der Betriebsrat der endgültigen Einführung der Gruppenarbeit im ganzen Werk zustimmen würde, da dies von den beiden stärksten Betriebsratsfraktionen, den Gewerkschaften CC OO (13 von 39 Sitzen) und UGT (14 Sitze) beabsichtigt war. Die CC OO wollten ursprünglich unter ihren Mitgliedern eine Abstimmung über die endgültige Einführung der Gruppenarbeit durchführen, ohne aber zu sagen, welche Position sie im Falle einer Ablehnung durch die Mitgliedschaft im Betriebsrat einnehmen würden. Zur Vorbereitung dieser Abstimmung wurde eine Konferenz für den 26. November einberufen, auf dem die Mitgliedschaft auf die richtige Linie gebracht werden sollte.
Eigens aus Madrid gekommen war Ramon Gorriz, der noch als GM-Betriebsrat maßgeblich an der Einführung der Gruppenarbeit beteiligt war, und daraufhin (oder deshalb) in die Leitung der CC OO aufstieg und nun für die Autoindustrie zuständig ist. Er begründete ausführlich, warum sich die Gewerkschaften auf die Seite der Gruppenarbeit stellen müßten, daß dadurch der 'Taylorismus' überwunden werden könne. Von den 1 400 Mitgliedern bei Opel waren nur sechzig erschienen. Die kritischen Stimmen gegenüber der Gruppenarbeit waren nicht zu überhören. Nach langem Hin und Her war neben dem Einladungsflugblatt mit der Position der Führung zur Gruppenarbeit noch ein zweites Flugblatt der 'offiziellen Linken' in den CC OO an alle Mitglieder verschickt worden. Es stellte kritische Fragen zur Gruppenarbeit, und diese Position wurde auf der Konferenz auch in mehreren Wortbeiträgen vertreten. Die Befürworter der Gruppenarbeit konnten keine überzeugenden Antworten geben und ließen letztendlich nur noch Appelle an die Treue gegenüber der Gewerkschaft los. Die UGT machte auf ihrer Versammlung ähnliche Erfahrungen: weniger direkte Kritik, sondern Zweifel und Angst, einen Weg mit unklarem Ziel einzuschlagen, beherrschten die Szene.
In diesem Klima der Unsicherheit trat Anfang Dezember der Betriebsrat zusammen. Die kleine Gewerkschaft USO (fünf Sitze) forderte eine Abstimmung über die Gruppenarbeit in der Gesamtbelegschaft. Anfangs war die UGT dagegen, aber ihr wurde schnell klar, daß sie im Betriebsrat in der Minderheit wäre. (Die anarcho-syndikalistische CGT mit zwei Sitzen und die politisch nicht genau zu definierende Regionalgewerkschaft SIAR mit vier Sitzen waren von vornherein gegen die Gruppenarbeit gewesen.) Außerdem hatte sie bei den letzten Wahlen vier Sitze verloren, und es wurde vermutet, daß dies an ihrer allzu positiven Haltung zur Gruppenarbeit liegen könnte. Sie stimmte schließlich auch zu.