Edward mit den Scherenhänden kämpft mit der UAW

Als die UAW und General Motors in eine Serie von lokalen Verhandlungen und Streikaktionen ihrer Mitglieder verstrickt waren, hat sich Edward an den Auseinandersetzungen beteiligt und seine magischen Scherenhände in der Motorfabrik Livonia arbeiten lassen. Edward, der in der Fabrik arbeitet, sah, daß seine KollegInnen einer grausamen Arbeitsgeschwindigkeit ausgesetzt sind, und GM versucht, mehr Autos mit weniger ArbeiterInnen auszuspucken. Allein oder vielleicht mit der Hilfe von KollegInnen ordnete er eine Pause für die gesamte Fabrik an.

Angesichts der bekannt uneinsichtigen Natur der Fabrikchefs schien ein wenig an direkter Aktion notwendig, um sie von der Dringlichkeit von etwas Urlaub vom Band zu überzeugen. Eines Tages wollte keine der Maschinen anlaufen. Edward hatte sämtliche Stromkabel zu den Produktionseinrichtungen gekappt. Die Manager schickten die Handwerker, um die Störung zu finden und die Fabrik wieder in Gang zu bringen. Aber als sie die Pläne holen wollten, um zu sehen, wie all diese Leitungen in der Fabrik verlegt waren, konnten sie nur noch einen Haufen Konfetti finden.

Die Fabrik in Livonia ist glücklicherweise die wichtigste Produktionsstätte für den Northstar-Motor. Die ungeplanten Ferien für die BandarbeiterInnen dauerten fast eine Woche. Eine Woche, in der der Lagerbestand reduziert wurde, um mit der Produktion in anderen Fabriken, wie dem Buick-Komplex, schrittzuhalten.

Gerade als die Livonia-Fabrik wieder anlief, gingen die ArbeiterInnen im Buick-City-Komplex in Streik. Wir können nur darüber spekulieren, ob die Aktivitäten von Edward geholfen haben, den Buick-City-Streik kurz und erfolgreich werden zu lassen. Eine Sache ist allerdings gewiß: daß die Produktionspläne von GM die gegenwärtige Belegschaft kaputt machen.

Die 12-Stunden-6-Tage Arbeit, die GM seiner älter werdenden Belegschaft aufzwingt, kann von den ArbeiterInnen nur eine gewisse Zeit durchgehalten werden. 'Die Leute stehen unter fürchterlichem Druck; der Stress greift sie wirklich an', beschrieb ein Arbeiter aus der Livonia-Fabrik die Situation.

Dieser Stress zeigt sich in vielerlei Weise. Bestenfalls führt er zu solchen kollektiven Aktionen wie die von Edward und seinen KollegInnen aus der Livonia Fabrik. Seine verzweifeltsten Wirkungen sieht man in individuellen Akten von Gewalt und 'bossi cide' [Wortspiel mit Boss und homicide, Tötung]. Kaum drei Wochen nach dem Sieg in Buick-City verhaftete die Detroiter Polizei einen ziemlich verzweifelten Kollegen im Parkhaus der Hamtramack Cadillac Montagefabrik. Wie berichtet wurde, wartete der Kollege in seinem Auto mit einer geladenen Schrotflinte. Wie dem Autor berichtet wurde, wartete er darauf, daß sein Vorarbeiter aus der Fabrik kommt.

Es findet ein Krieg statt. Dies wird selten zum Inhalt von Reportagen der kapitalistischen Presse, aber täglich gibt es Opfer. Von der Zerstörung von Arbeiterexistenzen in Decatur, Illinois zum andauernden Guerillakrieg in der Autoindustrie werden wir Zeuge einer Generation von ArbeiterInnen, die sagen: Genug ist Genug. Die einzige Frage ist, werden sie organisiert genug sein, um den Kampf zu gewinnen.

aus: Industrial Worker, November/Dezember 1994


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