Es war nicht so, daß in den 80ern und frühen 90ern überhaupt nicht gekämpft wurde. Es gab erbitterte Auseinandersetzungen in verschiedenen Bereichen. Aber diese Kämpfe blieben immer weitgehend isoliert; was vor allem die weitgehende Mißachtung durch die Medien und 'die Öffentlichkeit', aber auch tatsächlich die schwache Solidarität insgesamt meint - und oft natürlich auch die Nichtunterstützung oder gar Sabotage durch die Gewerkschaftsführungen. Und sie hatten es mit Kapitalisten zu tun, die keinen Deal suchten, sondern die Streiks zu brechen versuchten. Sie dauerten oft monatelang, ja jahrelang und endeten durchweg in Niederlagen oder mit sehr faulen Kompromissen. BASF-ArbeiterInnen in Louisiana waren vier Jahre lang ausgesperrt; PapierarbeiterInnen in Maine streikten fast ein Jahr lang, während die Fabrik mit LeiharbeiterInnen voll weiterlief; ArbeiterInnen der Fleischfabrik Hormel gingen sogar daran, eine eigene Gewerkschaft aufzubauen, nachdem die Gewerkschaftsführung die lokalen StreikführerInnen mithilfe der Gerichte abgesetzt und den Streik für illegal erklärt hatte. Insgesamt sank die Zahl der größeren Arbeitsunterbrechungen aufgrund von Arbeitskämpfen mit mehr als 1 000 Teilnehmern 1992 auf den tiefsten Stand seit 1947, seit diese Daten von der Bundesregierung erhoben werden.
Traditionellerweise hatte die UAW mit John Deere und Caterpillar die gleichen Verträge abgeschlossen. Caterpillar war 1992 nicht mehr damit einverstanden, ermutigt durch Siege in Schottland, wo sie 1987 eine 103-tägige Fabrikbesetzung überstanden hatte und in Kanada, wo ebenfalls eine Fabrikbesetzung durch Produktionsverlagerung beendet wurde. Die Gewerkschaft ging in Streik. Es ging um Arbeitsplatzsicherheit, nachdem Cat seit Anfang der 80er fast ein Drittel der Belegschaft abgebaut hatte.
Cat heuerte Leiharbeiter, gewann Streikbrecher und drohte, alle Streikenden zu entlassen. Nach fünf Monaten gaben die ArbeiterInnen auf. Cat setzte sein Angebot in Kraft, was z.B. für einige Leute in Colorado oder Pennsylvania Lohnkürzungen um mehr als die Hälfte bedeutete.
Viele von den Streikaktivisten setzten den Kampf am Arbeitsplatz weiter fort. Viel ist darüber (leider) nicht bekannt geworden; wir wissen nur, daß die Losung 'Arbeit nach Vorschrift' ausgegeben wurde und Cat einige KollegInnen feuerte, weil sie z.B. Gewerkschafts-T-Shirts oder Buttons während der Arbeit trugen, oder Leute disziplinierte, weil sie Gewerkschaftsmaterial offen im Auto liegen hatten. Diese Unternehmenspolitik 'trieb die Leute in die Reihen der angeschlagenen Gewerkschaft zurück', wie Business Week tadelnd vermerkte. Die Empörung der Leute läßt sich auch daran ermessen, daß seit jenem Streik acht Wildcat-Streiks (so werden dort 'wilde' Streiks genannt) in verschiedenen Cat-Fabriken stattgefunden haben. 'Es ist schwer, die Leute zurückzuhalten', meinte vor kurzem ein Gewerkschaftsfuzzi.
Seit dem 22. Juni streikt die uaw in allen 10 Standorten von Cat. 13 000 sind im Streik. Wieder gibt es Streikbrecher (Cat sagt 4 000, die Gewerkschaft spricht von 2 000) und Cat versucht, die Produktion aufrechtzuerhalten. Es wird möglicherweise wieder ein langer Streik; der Ausgang ist offen. Einerseits setzt Cat auf die Zunahme der Zahl der Streikbrecher, vor allem auf die Alten, die Angst haben, ihre Rente zu verlieren (70 Prozent (!) werden in den nächsten fünf Jahren in den Ruhestand gehen). Andererseits gehen die Geschäfte, anders als '92, aufgrund des billigen Dollars so gut, daß Cat schon vor dem Streik Lieferschwierigkeiten hatte. John Deere hat es inzwischen ebenfalls abgelehnt, den alten Vertrag zu verlängern und will Zugeständnisse im Stile von Caterpillar.
Das Zentrum des Streiks bei Caterpillar liegt in Decatur, Illinois. Eine kleine Stadt, 'der Stolz der Prairie' ist nun von der ganzen US-amerikanischen Gewerkschaftsbewegung zur Kriegszone erklärt worden, weil dort neben dem Streik bei Cat zwei ebenso erbitterte Kämpfe laufen: seit sechs Monaten ein Streik bei Brigdestone/Firestone und seit 18 Monaten die Aussperrung in der Zuckerfabrik Staley. In allen drei Fabriken die gleiche Geschichte: Jahrelange gute Zusammenarbeit zwischen Managemant und Gewerkschaften, Gruppenarbeit etc. In allen drei Fabriken wird in den 80er Jahren die Produktivität enorm gesteigert, die Belegschaften abgebaut. Bei Cat von 4 500 auf 2 000, bei Staley von 1 600 auf 750. Jetzt wollen die Kapitalisten mehr... Bridgestone/Firestone will Lohnabbau und Abbau von Renten- und Krankenversicherung, 12-Stunden-Schichten; Staley will weiter auf 450 Leute abbauen. Bridgestone/Firestone lehnt - ähnlich wie Cat - die Übernahme eines Vertrages ab, den die Gewerkschaft mit Goodyear geschlossen hat.
Die Auseinandersetzungen sind hart. Alle drei Fabriken laufen weiter mit Streikbrechern, wenn vielleicht auch eingeschränkt. Die Papierarbeitergewerkschaft, die die Ausgesperrten der Zuckerfabrik vertritt, führt jetzt eine Öffentlichkeitskampagne, um Coca-Cola und Pepsi zu überzeugen, kein Material mehr von Staley zu beziehen - eine Sache, die ihr bei Miller Beer, einem der größten Brauereikonzerne, schon gelungen ist. Mindestens einmal hat die Polizei die Picket Lines mit Tränengas und Knüppeln angegriffen. Ende November besetzten Leute aus Decatur das State Capitol von Illinois, 31 wurden verhaftet.
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