General Motors hat 107 von insgesamt 210 Arbeitern aus einer seiner Fabriken in Ciudad Juarez, Mexico, gefeuert, weil sie versuchten, eine unabhängige Gewerkschaft zu gründen. Die Arbeiter produzieren Kabelsätze für Packard Electric, einer GM Autoteile-Abteilung. GM hat sieben Fabriken in Ciudad Juarez, das genau gegenüber El Paso, Texas, auf der anderen Seite des Flusses liegt. (Rio Grande, Grenzfluß usa/Mexico, auch Rio Bravo del Norte, Anm.d.Ü.).
Die Arbeiter begannen die Organisierung Anfang November, als GM die Fabrik in eine andere Konzernabteilung umgliederte, wobei der Name von Rio Bravo Nr. 1 in Electronic Conductors and Components Nr. 7 geändert wurde. Bis Mitte Dezember wurden 32 Arbeiter gefeuert. Anfang Januar versuchten 187 Arbeiter bei der örtlichen Arbeitsbehörde als unabhängige Gewerkschaft registriert zu werden. 'Unabhängige' Gewerkschaften sind in Mexico alle außerhalb der regierungshörigen Confederation of Mexican Workers.
Während der letzten drei Jahre wurden nur acht Gewerkschaften in Ciudad Juarez eingetragen, und nur eine davon war unabhängig. Der Statistik der örtlichen Arbeitsbehörde zufolge repräsentieren nur 65 der gegenwärtig 318 Gewerkschaften 'aktive' Arbeiter. Die Arbeiter erhielten keine Antwort auf ihren Antrag auf gesetzliche Anerkennung ihrer Gewerkschaft, daher besetzten sie am 7. Februar (1994) das Büro der lokalen Arbeitsbehörde. Maskiert mit roten Halstüchern, wie sie die zapatistischen Rebellen in Chiapas populär gemacht hatten, besetzten ungefähr 50 Arbeiter das Büro zwei Stunden lang.
Gefragt, warum er sein Gesicht bedecke, sagte ein Arbeiter, er wolle 'die Vergeltungsmaßnahmen der Firma verhindern und dem Boss zeigen, daß es ein zweites Chiapas in Chihuahua geben wird.' Ciudad Juarez liegt im mexikanischen Staat Chihuahua. Arbeiter aus drei anderen Fabriken - zwei GM-, eine Fordfabrik - schlossen sich dem Protest mit handgemalten Schildern an, auf denen sie ihre Solidarität ausdrückten. Neun Tage später lehnte die Arbeitsbehörde den Antrag auf Zulassung ab.
Einen Monat später feuerte GM fünfzehn Rädelsführer. Aus Protest verlangsamten die Arbeiter die Produktion und reichten den Antrag auf Zulassung als unabhängige Gewerkschaft erneut ein. Tage später wurden 60 weitere gefeuert. Ende März bot gm allen gefeuerten Arbeitern Abfindungen an. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Arbeiter die Abfindungen abgelehnt, in der Hoffnung auf Wiedereinstellung und eine unabhängige Gewerkschaft. Arbeitslos und bange akzeptierten die Arbeiter das Angebot, obwohl es weniger war, als vom mexikanischen Gesetz vorgeschrieben.
Einer der Gefeuerten: 'Der Kampf geht weiter. Ich weiß, daß es nicht einfach ist, eine unabhängige Gewerkschaft zu gründen. Die Regierung will es nicht, oft fehlt den Arbeitern das Bewußtsein, aber wir müssen über die Abfindungszahlungen hinaus gehen und eine Gewerkschaft erreichen. Ich denke, daß die Organisierung auf die anderen GM Fabriken übergreifen wird. Die ersten Knospen sind aufgegangen.'
Mary McGinn, Labor Notes, Mai 1994
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