Eine Gewerkschaft der LandarbeiterInnen hat sich mit ihren Visionen und ihrer strategischen Fähigkeit, langfristig zu planen, besonders hervorgetan. Das in Ohio gegründete Organisierungskomitee der LandarbeiterInnen floc (Farm Labor Organizing Committee) verteidigt eingewanderte ArbeiterInnen seit 1967. Das floc hat ungefähr 6 000 MitgliederInnen und ist allseits bekannt für eine neuartige 'dreigleisige Verhandlungsstrategie'.
Bei ihren ersten Streiks organisierte das floc im mittleren Westen TomatenarbeiterInnen gegen einzelne Pflanzer und konnte dabei sehr schnell Tarifverträge durchsetzen. Dann mußte das floc aber feststellen, daß die Pflanzer die Tomatenproduktion einstellten. Grund war der Druck, den die Produktionskosten auf die niedrigen Preise ausübten, wie sie von Weiterverbeitern wie Campbell's Suppenfirma gezahlt wurden.
So änderte das floc in den 80er Jahren seine Taktik und zielte mit einem Boykott direkt auf die Weiterverarbeiter. Schlieálich erreichten es in harten Kämpfen ein Abkommen, das alljährlich dreigleisige Verhandlungen zwischen ArbeiterInnnen, Pflanzern und Weiterverkäufern vorsieht.(The Power of Organizing: Securing Farmworkers' Rights, ein Interview mit Baldemar Velsquez. Multinational Monitor, 5.93)
Diese Übereinkunft berücksichtigt, daß die Pflanzer praktisch Subunternehmer der Weiterverarbeiter sind, die eine ähnliche Rolle einnehmen, wie die Arbeitsvermittler in der Landwirtschaft generell. Diese Strategie ist nicht nur für die Landwirtschaft, sondern für die ArbeiterInnen überhaupt ein wichtiger Präzedenzfall geworden. Durch die Aufdeckung der Methoden, mit denen zahlreiche Industrien, wie z.B. die Textil- und Bekleidungsindustrie, ArbeitsvermittlerInnen benutzen, um ArbeiterInnen übermäßig auszubeuten, hat das floc auch in den Fabriken neuen Organisierungsideen den Weg bereitet.
Begonnen hat das floc mit der Organisierung der LandarbeiterInnen im Mittleren Westen der usa, wo Lohnerhöhungen, bessere Wohnungen, bessere Sozial- und Gesundheitsleistungen errungen wurden. Aber kurz bevor sie 1986 die erste Übereinkunft mit Campbell's Suppenfabrik durchgesetzt hatten, begannen die Drohungen, die Produktion in den Süden zu verlagern. Tatsächlich produziert Campbell's Suppenimperium eine beachtliche Menge an Tomatenprodukten im mexikanischen Sinaloa Tal und hat immer wieder versucht, amerikanische und mexikanische ArbeiterInnen gegeneinander auszuspielen, sie miteinander konkurrieren zu lassen, um zu sehen, wer für weniger Geld arbeitet.
'Wie wir heutzutage wissen, hat das Kapital keine Nationalität. Um sich zu reproduzieren, geht es wohin es will, wann es will, und beinahe immer auch wie es dies will', sagt Baldemar Velasquez, Präsident des floc. 'Allmählich dämmert mir', sagt Velasquez, 'daß wir Bürger der Firma sind, für die wir arbeiten. Es macht keinen Sinn, mexikanische Arbeiter von Verhandlungen um Lohn und Arbeitsbedingungen derselben Firma auszuschließen. Du kannst dich auch nicht in Michigan abschotten, wenn dieselbe Firma in Ohio oder Indiana produziert. Was soll dann der Unterschied sein, wenn es sich um die usa und Mexiko handelt?'.
Lange bevor es die nafta gab, hatte das floc begonnen, mit mexikanischen Gewerkschaften zusammenzuarbeiten, um auf beiden Seiten der Grenze Druck auf Campbell ausüben zu können. Erst vor kurzem wurde eine amerikanisch-mexikanische Gewerkschaftskommission gegründet, um die Verhandlungen in beiden Ländern überblicken zu können. Momentan werden die Schwesterorganisationen in anderen Staaten und Ländern angesprochen, um Produkt für Produkt und Firma für Firma zu Übereinkünften zu kommen. Dieses Jahr wurde eine Föderation der Landarbeitergewerkschaften gegründet, das 'LandarbeiterInnen Netzwerk für Umwelt und ökonomische Gerechtigkeit', zu dem inzwischen acht Gewerkschaften gehören.