Eines der vielen Gesundheitsrisiken, denen die LandarbeiterInnen ausgesetzt sind, ist ihr unmittelbarer Kontakt mit Pestiziden. Landesweite Schätzungen über die Anzahl der LandarbeiterInnen, BäuerInnen und deren Familien, die Pestiziden ausgesetzt sind, reichen von 3,2 bis 4 Millionen Menschen. 300.000 akute Vergiftungen und Krankheiten werden jährlich durch den gewerblichen Gebrauch von Pestiziden verursacht, schätzt die Umweltschutz Agentur (epa).(Hired Farmworkers: Health and Well-Being at Risk, US General Accounting Office (Report to Congressional Requesters). February 1992)
Viele Familien sind dazu gezwungen, in der Nähe der Felder, auf denen sie arbeiten, zu schlafen, zu baden und zu kochen, wo immer die Gefahr besteht, daß das Wasser verseucht ist. 'Wir müssen in den Bewässerungskanälen der Felder baden', sagt ein eingewanderter Arbeiter. 'Wir wissen, daß sie voll von Pestiziden sind, aber bei der dreckigen Arbeit müssen wir uns täglich waschen.' (Food and Justice, United Farmworkers, vol. 6, no. 2, Sept. 1989)
1990 hat eine Studie unter Kindern von EinwanderInnen im westlichen New York ergeben, daß 40 Prozent von ihnen besprüht wurden, als sie auf den Feldern waren. (Hired Farmworkers: Health and Well-Being at Risks, p. 13.)
LandarbeiterInnen leiden häufig an Magenkrankheiten, Kopfschmerzen, Ausschlägen, Verbrennungen und anderen, mit Pestiziden zusammenhängenden Problemen. Viele leiden und sterben an Krebs, und häufig kommen ihre Babies mit schlimmen Mißbildungen zur Welt.
Die Krebsrate unter den Kindern der LandarbeiterInnen aus zwei Städten im kalifornischen San Joaquin-Tal lag 1989 um 800 bis 1 200 Prozent über dem Landesdurchschnitt.( Food and Justice, vol. 6, no. 3, Nov. 1989) Ohne den Druck der Öffentlichkeit und ohne starke Gewerkschaften kommt von der Regierung praktisch keine Unterstützung. 1983 konstatierte die epa die Unzulänglichkeiten ihrer Richtlinien zur Arbeitssicherheit, mit denen die ArbeiterInnen nicht vor Pestiziden geschützt werden konnten. Sie veränderte in der Folge ihre Richtlinien, die aber bereits wieder als unzureichend angesehen werden. Die epa wollte für den 21.4.1994 einen Sicherheitsbeauftragten für Arbeitsschutz einsetzen. Aber der Druck, der von den Pflanzern ausgeübt wurde, veranlaßte den Kongreß, dies bis zum 1.1.95 zurückzustellen. Aktivisten der LandarbeiterInnen erwarten weitere Angriffe des Agrobusiness auf die Gesetzgebung. (Congress Delays New Pesticide Standards, Rural California Report, vol. 5, issue 4, Spring 1994)