Von der Hoffnung zur Not: Aufstieg und Fall der ufw

In den 70er Jahren erreichten vor allem die kalifornischen LandarbeiterInnen bedeutende Verbesserungen ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen, als eine Woge der Organisierung und kollektiver Verhandlungen ihrer Gemeinschaft neue Hoffnungen brachte. 1975 führten die Anstrengungen der Landarbeitergewerkschaft ufw (United Farm Workers) zum kalifornischen Gesetz über die Arbeitsbeziehungen in der Landarbeit, das kollektive Verhandlungen garantierte; gleichzeitig unterstützte die Regierung von Jerry Brown eine Erhöhung der Sozialleistungen. In den 60er und 70er Jahren trug ufw-Gründer Ces r Chavez mit dazu bei, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Notlage der eingewanderten LandarbeiterInnen zu lenken. Zu den erfolgreichen Strategien der ufw unter seiner Führung gehörten Hungerstreiks und der Boykott von Weintrauben und anderen Agrarprodukten. Chavez, der einmal 36 Tage fastete, sagte: 'Eine Person, die für einen dringend benötigten gesellschaftlichen Wandel fastet und leidet, kann in anderen den Wunsch wecken, dieses Leid zu teilen und dabei an der Beseitigung einer spezifischen sozialen Ungerechtigkeit teilzuhaben'.

Hunderte nahmen in den usa am Hungerstreik der ufw teil, um auf die schlechte Lage der LandarbeiterInnen in den usa aufmerksam zu machen und unterstützten den schließlich erfolgreichen Traubenboykott. Chavez's bekannteste Parole, 'Si se puede' ('Ja, es ist möglich'), hat viele inspiriert.

Auf ihrem Höhepunkt in den 70er Jahren hatte die ufw 120 000 Mitglieder, und zwischen 1966 und 1980 hat sie unter anderem zwei 40prozentige Lohnerhöhungen in der Weintraubenproduktion erfolgreich durchgesetzt.( The Endless Quest: Helping America's Farmworkers, Philip L Martin and David A Martin, Westview Press, 1994)

In den 80er Jahren liefen die Verträge aus, und die republikanische Regierung besetzte den kalifornischen Agrarausschuß für Arbeitsbeziehungen mit industriefreundlichen Mitgliedern, die dieses Gesetz wirkungsvoll aushöhlten. Konfrontiert mit einem feindseligen politischen Klima und internen Differenzen folgte für die ufw und auch für die anderen Arbeiterorganisationen der usa ein langes Jahrzehnt der Rückschläge. Heute hat die ufw in den Staaten Kalifornien, Texas und Florida nur noch 20 000 Mitglieder.

Nach dem Tod von Ces r Chavez im letzten April veranstaltete die ufw einen 350 Meilen langen Marsch nach Sacramento, Kalifornien. Mit dieser Wiederholung des historischen Marsches von Chavez vor 30 Jahren hoffte die ufw, sich von den letzten Rückschlägen zu erholen, und forderte gesetzliche Zugeständnisse für die LandarbeiterInnen. Der Marsch von 1994 endete mit einer Demonstration von 13 000 Menschen, die das immer noch bestehende öffentliche Interesse und die Unterstützung für die LandarbeiterInnen und die ufw zeigte. Es ist noch zu früh, um zu sagen, ob die ufw die alte Stärke wiedererlangen kann, obwohl sie dieses Jahr bereits drei Wahlen gewinnen und zwei neue Verträge für 1 000 ArbeiterInnen in Kalifornien aushandeln konnte.( Union's Field Work Starts to Bear Fruit, Mark Arax. Los Angeles Times, 7-18-94.)


Inhaltsverzeichnis

Nächste Seite

Zurück