Die Regierung drückt sich

Angesichts der Radikalität der Forderungen und des militärischen Charakters ihres Aufstandes überrascht die Reaktion der mexikanischen Regierung auf die Herausforderung der EZLN. Mit erstaunlicher Geschwindigkeit schwenkte der Staat um, von massiver militärischer Repression (über 15 000 Soldaten waren nach Chiapas entsandt worden; es gab Luftangriffe auf Dörfer, Massenfolter und -hinrichtungen von Gefangenen) auf einen Waffenstillstand und Verhandlungen auf höchster Ebene mit den Rebellen, vermittelt von progressiven Vertretern der katholischen Kirche. Warum?

Konventionell denkende Experten sehen den Grund für den Wechsel in der Angst vor den prüfenden Augen der Weltöffentlichkeit auf ihr Verhalten im Zusammenhang mit der Einführung von NAFTA und im Lichte ihrer Bemühungen um einen Erste-Welt-Status. Denn die Zapatisten haben in ihrer allerersten Erklärung nicht nur die NAFTA angegriffen, sondern mit ihrem Aufstand auch die Risiko-Einschätzung der multinationalen Kapitalisten über Investitionen in Mexiko bedroht. So schien es besser, die Vorgänge totzuschweigen und niedrig zu hängen, den Samthandschuh der Kooptierung zu benutzen, statt die eiserne Faust der Repression.

Aber diese Hypothese der 'Empfindlichkeit' gegenüber der internationalen öffentlichen Meinung erklärt nicht, warum die Regierung davon ausging, daß solche Öffentlichkeit negativ ausfiele oder einflußreich genug sei, um ausländische Investoren zu beeinflußen. Um ihre Verstörung zu erklären, müssen wir uns von den Reaktionen der Regierung abwenden und den Reaktionen in ganz Mexiko und weltweit zuwenden.


Weiter

Zurück


Heimatseite | Inhalt