Wenn wir uns die Zeit nehmen zuzuhören, können wir überall Stimmen wahrnehmen. Sie kommen aus oberen und unteren Stufen der Hierarchie der kapitalistischen Gesellschaft überall in der Welt. Es sind die Stimmen von verschiedenen Menschen, besser oder schlechter situierten, relativ mächtigen und nur ausgebeuteten, von solchen, die besser leben, und solchen, die nur hoffen, zu überleben. Und wir müssen zuhören, weil diese Stimmen von der Sackgasse der heutigen Gesellschaft sprechen und über Wege diskutieren, wieder da raus zu kommen.
Die Gespräche sind so zahllos wie ihre Inhalte unterschiedlich sind. Bitte beachte: ich rede nicht von den bekannten Debatten des Kalten Krieges. Keine der alten Lösungen - irgendwo zwischen westlichem Kapitalismus und östlichem Sozialismus - hat noch Anziehungskraft, da beide in der Krise sind. Sie gelten zwar immer noch als die großen institutionalisierten Experten, die in der Vergangenheit wurzeln. Aber eine wachsende Zahl von Menschen hält die alten Losungen für abgestanden. Sie weisen die alten Weisheiten zurück und suchen gleichzeitig nach neuen. Sie überdenken nicht nur ihren Wortschatz, sondern die Welt.
Aber zuhören lernen ist nicht immer ganz leicht, auch heutzutage nicht. Um den Weg freizumachen, müssen wir uns durch den 'Lärm' des offiziellen Diskurses schlagen, Debatten darüber, wie die Krise innerhalb des alten Gefüges 'zu lösen' sei, erkennen und vermeiden. Wir müssen lernen, den offiziellen Jargon zu entschlüsseln, uns durchschlagen durch die schönen Reden, die nur das 'business as usual' verdecken, das die Wünsche dem Investment und dem Wachstum, den Profiten und der staatlichen Macht unterordnen will. Wir müssen erkennen, daß das Hinzufügen eines neuen Adjektivs in Wirklichkeit nichts am Konzept selbst ändert, z.B. ist 'nachhaltige' Entwicklung immer noch 'Entwicklung', und dieses Projekt ist gescheitert.
Die schiere Vielfalt der alternativen Dialoge ist entmutigend. Es gibt viele Stimmen von vielen Leuten in vielen Ländern. Sie haben viele kulturelle Wurzeln und sprechen viele Sprachen. Gleichzeitig sind Wünsche und Bedürfnisse nicht nur vervielfacht, sondern auch beschnitten durch Zeit, Raum und Alltag. Egal, wie groß unsere Unterschiede sein mögen, wir haben alle einen Antagonismus gemeinsam - die Zwänge, die Unternehmer und Staat uns aufzuerlegen versuchen -, und in unserer gemeinsamen Suche nach Alternativen liegen unendliche Möglichkeiten, zu teilen und voneinander zu lernen. Wenn es keine universellen Wahrheiten mehr gibt, ist Miteinandersprechen nicht nur möglich, sondern kann unendlich und fruchtbar sein.
Werden wir lernen, zuzuhören? Dieses Buch gibt eine lebendige und wichtige Gelegenheit dazu. Ihr werdet in ihm neue Stimmen hören, Stimmen 'von den Bergen des mexikanischen Südostens', die erst seit sehr kurzer Zeit zu der Welt sprechen. Aber ihr werdet merken, daß diese Stimmen schon seit langem miteinander geredet haben.
Geht nah ran und hört gut zu, denn die Stimmen in diesem Buch sind vielfältig und komplex, direkt und gefiltert, todernst und manchmal voller Witz. Es sind die Stimmen von Menschen im Kampf.