Im ganzen Norden ist sowohl die alte Zweite als auch die Erste Welt in einer tiefen Krise. Im Osten hat die vom Westen unterstützte Sparpolitik immer weiter wachsende Arbeitslosigkeit und die Zerstörung sozialer Absicherung gebracht. Fabriken werden geschlossen, Bettler bevölkern die Straße. Der junge 'freie' Markt ist in den Händen westlicher Schwindler und des örtlichen organisierten Verbrechens. Opportunistische Politiker werfen die qualmende wirtschaftliche Unruhe in die Flammen des Rassenhasses.
Im Westen - dem die ex-kommunistischen Länder angeblich nacheifern - herrscht andauernde hohe Arbeitslosigkeit, gibt es wütende Angriffe auf Löhne und Sozialleistungen, wobei diese Experimente mit ökonomischem und sozialem Umbau nicht zu einem neuen Wachstumszyklus geführt haben. Auch hier rosten Fabriken, wächst die Obdachlosigkeit, kanalisieren die Politiker die Unzufriedenheit in Rassismus und die Angst vor Fremden, vor allem Immigranten. Kurz, die kapitalistischen Gesellschaften des Nordens taumeln und können kein attraktives Modell für den Süden mehr darstellen.
Die Situation im Süden ist aber noch dramatischer. Ein Jahrzehnt der Schuldenkrise, Sparpolitik, Hunger, wachsender Arbeitslosigkeit und sich ausbreitender Krankheiten hat nur wenige isolierte Nester an Profit und Wachstum hervorgebracht. Hier und da haben multinationale Firmen die anderswo geschlossenen Fabriken neu eröffnet, um von den niedrigen Löhnen zu profitieren, die durch die Repression der Polizeistaaten garantiert werden (z.B. in Mexiko oder China). Aber für den größten Teil ist das Entwicklungsprojekt der Nachkriegszeit zur verblassenden Erinnerung geworden, und das Geschwätz vom 'nachhaltigen Wachstum' klingt wie Fantasy. Das lächelnde 'menschliche Antlitz' der kapitalistischen Entwicklung - die Flut, die alle Schiffe hebt - ist abgelöst durch das schmutzige Durcheinander von 'internationalem Wettbewerb', Unterentwicklung, Rassismus, ethnischen Säuberungen und Massenmord.
Das Schlimme derzeit ist die historische Sackgasse. Seit mehr als 20 Jahren ist das bloße Überleben des Kapitalismus bedroht; seine Abscheulichkeit wächst aus seiner Verzweiflung. In mehr als 20 Jahren haben sich die Stimmen im Hintergrund vervielfacht und sind lauter geworden. In den 60ern und frühen 70er Jahren rissen Proteste, Streiks, Guerillakrieg und kulturelle Revolution den westlichen Kapitalismus (Nord und Süd) in die Krise, indem sich neue und alte Bedürfnisse verbanden und die Fähigkeit des Systems, mit ihnen umzugehen, überforderten. Hartnäckiger und umfassender passiver Widerstand produzierte Rigidität und technologischen Stillstand im Osten, was in den 70er und 80er Jahren zur Krise führte. Die Perestroika, die letzte verzweifelte Anstrengung des alten Regimes gegen diese Krise, wurde vom breiten Volksaufstand (Volksbewegungen) in Osteuropa weggefegt.
Seit mehr als zwei Jahrzehnten verlangen die Menschen Veränderung und ein besseres Leben. Darauf haben die kapitalistischen Politiker reagiert mit oberflächlichen politischen Reformen, monetaristischer Sparpolitik; sie haben Opfer gefordert und immer mehr Arbeit aufgezwungen. Erdrückt von dieser Reaktion wurden die Menschen immer wütender, aber auch selbstbewußter. Wenn die Unternehmer nicht in der Lage oder nicht willens sind, akzeptable Jobs zu akzeptablem Lohn anzubieten, wenn die Regierung unfähig oder nicht willens ist, das Wohlergehen ihrer BürgerInnen zu sichern, dann wenden die Leute sich ab; sie beginnen aufeinander und auf die Stimme ihrer eigenen Bedürfnisse zu hören, um ihren eigenen Weg in die Zukunft zu suchen. So entsteht eine Revolution.
Wer sind diese Leute mit den unerfüllten Wünschen, die zunehmend nach eigenen Lösungen suchen, nach eigenen Wegen zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse? Sie sind unterschiedlich, und man kann sie überall in der Gesellschaft finden. Die einfachen Widersprüche des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zwischen Fabrikarbeit und Industriekapital haben sich aufgespalten und sind komplexer geworden. Die Kolonisierung der ganzen Gesellschaft durch Unternehmer und Staat, hat sowohl Zwang und Entfremdung des Kapitalismus, als auch den Antagonismus dagegen verallgemeinert - rund um den Globus.